
Die Fantastischen Vier
Fanta Vier in der Donau-Arena: Alle hören auf "Die Da"
Die Fantastischen Vier sind Pioniere des Rap – mit Liedern wie „Die Da" (ihrem ersten großen Hit) befreiten sie den Sprechgesang vor gut 20 Jahren aus seinem Nischendasein.
Auch heute noch sind Fanta Vier eine der bekanntesten deutschen Bands. Ihre Mischung aus Rap und Pop, aus Humor und Inhalt ist leicht und gleichzeitig intelligent. Mit Songs wie „Einfach sein“, „MfG“ oder „Gebt uns ruhig die Schuld“ begeistern Smudo, Thomas D., And.Ypsilon und Michi Beck seit vielen Jahren. Im Dezember machen sie auf dem zweiten Termin ihrer hochgelobten „Für Dich immer noch Fanta Sie“-Tour in der Donau-Arena Halt. Wir sprachen vorab mit Smudo.

Du hast das Wort „Fantalismus“ geprägt –was ist das?
Smudo: Lustige Musik zu traurigen Inhalten. Wir sind Künstler und machen uns Gedanken und schreiben über Gefühle. Natürlich sind die Lieder, die daraus resultieren, aller möglichen Couleur. Fantalismus ist zum Beispiel das Lied „Gebt uns ruhig die Schuld“ – eine Gesellschaftskritik, eine Gesellschaftskritik an dem Passiven. Ist man passiver Kritiker oder ist man aktiv Handelnder? Es geht an die passiven, die Gesellschaft kritisierenden Kritiker, die vergessen, dass sie ja ebenfalls ein Teil der Gesellschaft sind. Sie fahren in den Stau und beschweren sich, dabei ist es kein Stau, in den sie fahren. Sie sind selbst Bestandteil des Staus. Das Lied ist aber so heiter, dass man den Zusammenhang vielleicht gar nicht sieht. Es ist unterhaltsam und spaßig, und doch geht es eigentlich um traurige Themen, die mangelnde Verantwortungsübernahme des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft.
Seid Ihr passiv konsumierend oder aktiv handelnd?
Wir sind selbstverständlich aktiv Handelnde. Wir machen ja Musik, zum Beispiel, stehen als Künstler da und lassen uns kritisieren von den Passiven.

Versucht Ihr auch außerhalb Eurer Musik aktiv und verantwortlich zu handeln?
Wir sind alle ganz normale Typen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne auch mal eine gute Sache tun und nicht nur grundsätzlich böse Konsumenten sind. Aber ein großes Sendungsbewusstsein gibt es da nicht. Vielleicht kann man Thomas D. mit seinem vegetarischen Tierschutz-Bewusstsein noch das größte Sendungsbewusstsein attestieren.
Ich betreibe seit zehn Jahren einen Rennstall – und da haben wir statt Teilen aus Kohlefaser solche aus Biofaser. Aber bio hin, bio her: Ich möchte gerne Rennen fahren. Ich gehöre zu den Menschen, die sagen: Transport im Allgemeinen ist per se keine der Umwelt zuträgliche Sache. Egal wie wir den Transport betreiben.
Und Euer Engagement als Band?
Als Band zum Beispiel haben wir in den letzten zwei Jahren für „Laut gegen Nazis" gespendet. Wir haben die Gäste, die wir jeden Abend auf Tour haben – das sind teilweise hunderte von Leuten wie Firmenpartner, Familie und so Schicki-Micki – zu einer freiwilligen Zwangsspende verdonnert und haben beide Male fünfstellige Euro-Beträge spenden können. Wir hängen das allerdings nicht an die große Glocke.

Ist diese Fröhlichkeit zu traurigen Inhalten geplant – oder hat sich das einfach entwickelt?
Wir sind grundsätzlich als Typen eher witzig. Humor ist ein ganz wichtiger Aspekt in unserer Freundschaft und in unserer künstlerischen Arbeit. Und was vor 20 Jahren vielleicht eher in Richtung Albernheit ging, hat sich heute trotz des Humors mehr mit Inhalten gefüllt.
Was hat sich in diesen Jahren für Euch als Band sonst noch geändert?
Das ist schwer, das zusammenfassend zu sagen. Wir kennen uns von Anfang 20 bis jetzt Anfang 40 – und da macht jeder eine Veränderung durch. Ein wichtiger Punkt ist, dass wir vor vielen Jahren auseinander gezogen sind und nicht mehr in Stuttgart leben. Das war eine gute Maßnahme für die Band. Eine Verlängerungsmaßnahme. Doch es ist immer noch so: Wenn wir zusammen arbeiten, sind wir der lustige Jungsverein wie immer. Die tatsächliche Arbeit ist immer noch die Gleiche. Auch untereinander: die Kommunikation, der Spaß, die Ideenfindung, die Arbeit im Studio.
Gab es ein besonderes Erlebnis in eurer langjährigen Band-Freundschaft, über das ihr heute noch redet oder lacht?
Reichlich. Aber in der Regel sind das derartige Insider, dass sich das Dritten kaum vermitteln lässt. Es gibt aber ein paar Klassiker. Zum Beispiel mein ständiges Übergeben unmittelbar vor den Konzerten auf unserer ersten Erfolgstour 1992, weil mich mein Lampenfieber damals sprichwörtlich umhaute. Kurz vor der Show gingen alle noch aufs Klo, und während die anderen entspannt vor dem Becken standen, kniete ich davor und ... . Diese Zeiten sind aber zum Glück schon lange vorbei.
Was können wir uns von Eurer Tour erwarten?
Im Kern ist das die Tour vom Jahr zuvor, in Orten, in denen wir noch nicht waren. Das Interessante ist vor allem unsere Rundbühne. Der durchschnittliche Abstand jedes Einzelnen zur Bühne wird unglaublich verkürzt. Die Leute auf den Rängen sind gewohnt, weiter weg zu sitzen, schön ihr Bierchen zu trinken und sich das in Ruhe anzugucken – die staunen, wie nah sie am Geschehen sind. Die haben eigentlich fast die besseren Plätze, als die in der ersten Reihe. Man hat wirklich eine sehr gute Sicht auf die Dinge.

Hast Du eine besondere Verbindung zu Regensburg?
Was verbinde ich mit Regensburg? Bayerische Gemütlichkeit. Bayerischer als bayerisch kommt es mir manchmal vor. Ich bin ein paar Mal auf dem Flugplatz gelandet, Oberhub. Da ist so ein lustiger Rauschebart-Bayer: „Herzlich willkommen, habe die Ehre." Das ist immer die erste Begegnung. Mein Bruder lebt in Regensburg. Der kommt sicherlich auch zum Konzert.
Was hat Dir Dein Bruder bisher von Regensburg gezeigt?
Bummeln in der Innenstadt und Bruderkampf am Schachbrett auf dem lauschigen Balkon.
Was habt Ihr an dem Abend nach dem Konzert in Regensburg noch vor?
Leider nicht so viel. Das lässt der Tourplan nicht zu. Nach einem Konzert treffen wir uns oft noch mit unseren persönlichen Gästen des jeweiligen Abends zum gemeinsamen Umtrunk, dann geht’s in den Bus, da wir über Nacht zum nächsten Tournee-Stopp fahren.
