
Radregion Regensburger Umland
Regensburg ist Radl-Land
Das Regensburger Umland zählt zu den schönsten Radregionen Deutschlands. Sanfte Flusstäler, der Bayerische Jura, der Oberpfälzer und der Bayerische Wald – hier wird jeder Radl-Freund fündig.
Asphaltierte Straßen, wenig Steigungen, möglichst geradeaus – das sind nicht die Bedingungen, die ein Mountainbiker mag. Am liebsten lenkt er sein Rad über Stock und Stein, bergauf, bergab, mit möglichst vielen Kurven. Um das zu erleben, muss er schon mal etwas weiter aus der Stadt raus. „Dass auch die Gegend direkt um Regensburg viel zu bieten hat, wissen eigentlich nur Insider“, sagt Armin Adler, Sportlehrer am Regensburger Von-Müller-Gymnasium. Der Grund: Für die, die ihr Rad bereits in der Stadt satteln wollen, gibt es bisher kaum Tourenbeschreibungen. Der passionierte Mountainbiker griff dieses Defizit auf und bot seinen angehenden Abiturienten an, für wertvolle Abi-Punkte in die Pedale zu steigen. Die Schüler nahmen das P-(praktische)-Seminar begeistert an. Heraus kam ein Mountainbike (MTB)-Führer mit dem Prädikat: Beachtenswert.

Interessante Strecken
Der MTB-Führer beschreibt Feierabendrunden mit 20 Kilometer Länge für ein bis eineinhalb Stunden ebenso wie richtig anspruchsvolle Strecken mit bis zu 65 Kilometern. Letztere nennt Adler „…Tagesbeschäftigung“. Dominik Müllers Lieblingsschleife ist da schon deutlich kürzer. Der Streckenverlauf, den der Abiturient und sein Freund im Seminar ausarbeiteten, zieht eine Acht über die Kleinprüfeninger Eisenbahn-Brücke. Wie fast alle Touren führt diese direkt aus der Stadt hinaus. Auf Wegen, für die es schon dicke Mountainbike-Reifen braucht, geht’s am Sinzinger Hochseilgarten vorbei in Richtung Eilsbrunn bis Nittendorf und von dort in einer Schleife wieder zurück zur Marienhöhe. „Nicht so lang, dafür kurz, knackig und intensiv“, sei diese Acht, „die richtig Spaß macht!“
Sein Mitschüler Thomas Pawlitschko hat zwar mit Sport nicht ganz so viel am Hut, dafür überwand der 17-jährige Schüler alle layout-technischen Hindernisse im 15-köpfigen P-Seminar-Team. Er verwertete die Streckenbeschreibungen mit den GPS-Daten, die seine Mitschüler vor Ort erradelten und setzte die Distanzangaben, Höhenprofile und Orientierungspunkte in ein ansprechendes Layout um. Dafür erntete er viel Anerkennung – nicht nur von den Mitschülern, sondern auch vom Lehrer: „Wir wussten, dass er das gut kann“, sagt Armin Adler, der neben Sport auch Mathe unterrichtet.
Querfeldein ist tabu
Sport in der Halle, das wäre für Anna Renner undenkbar. Der jungen Mountainbikerin gefällt der Outdoor-Sport und der Nervenkitzel beim „Runterbrettern“ mit ihrem Carbon-Hightech-Bike. Sie erzählt aber auch von Rehen, Hasen und viel anderer schöner Natur, die man unterwegs im Freien erlebt. Deshalb hält sie sich strikt an die vorgegebenen Touren, um Flora und Fauna so wenig wie möglich zu belasten. Überhaupt ist das „einfach so querfeldein fahren“ für die ganze Truppe absolut tabu.

Alle sollen davon profitieren
Neben eigenen Tourenbeschreibungen zählten das Marketing und die Sponsorensuche zu Annas Aufgaben. Kein einfacher Job. Bisher gibt es nur eine Online-Version der interessanten Arbeit der Schüler. Auf www.schulen.regensburg.de/
vmg/aktivitaeten/projekte/pageFlip ist ein Vorgeschmack davon zu sehen. Ob eine Printversion daraus wird, hängt von Sponsoren ab. Schön wäre es schon. Schließlich sollen von der tollen Arbeit viele etwas haben. Der Mountainbike-Führer Regensburg könnte nach den Vorstellungen des Lehrers kostenlos ausliegen. Eine Win-win-Situation für Schüler, Biker, für die Stadt und die Radl-Region, die für ihre Nah- und Fernurlauber auf zwei Rädern auch sonst eine Menge vorweisen kann.
Radeln für jeden Geschmack
13 wunderbare Ausflugstouren beschreibt zum Beispiel die Broschüre „Radeln im Regensburger Land“, die das Landratsamt Regensburg herausgibt. Sie bietet eine große Auswahl an lokalen Radwanderwegen sowie den Anschluss an etliche überregionale Radwege wie Donau-, Regental-, Naabtal-, Schwarze-Laber- oder 5-Flüsse-Radweg. Die Touren durch die zauberhafte und abwechslungsreiche Landschaft rund um die Welterbestadt Regensburg sind zwischen 10 und 70 Kilometer lang. Ein besonderer Tipp ist die „Falkensteiner Bockerl Tour“. Zunächst geht es mit dem ÖPNV-Radlbus nach Falkenstein. Er fährt am Regensburger Hauptbahnhof ab und ist meist mit einem Radlanhänger bestückt (Info RVV-Kundenzentrum: 0941 601-2888). In Falkenstein angekommen radelt man wieder zurück. Deshalb ist die Tour trotz der 40 Kilometer Länge auch für Familien mit Kindern bestens geeignet. Nur am Anfang geht es kurz den Berg hinauf. Der Rest ist geruhsames Radeln entlang der ehemaligen Eisenbahntrasse. Für ein Päuschen zwischendurch bieten sich Einkehrmöglichkeiten mit Biergarten in Schillertswiesen oder im Radl-Bahnhof Hauzendorf an. In Brennberg gibt es im Notfall sogar einen Radl-Service.
Gleich drei Gründe sprechen für einen anderen Tour-Tipp: Sein Name „Walhalla, Wein und Wellen“ verrät eigentlich schon alles. Auf der Strecke liegen König Ludwigs Ehrentempel, die Walhalla, das Baierweinmuseum und die lauschigen Bier- bzw. Weingärten in Kruckenberg und Bach. Die gemütliche Tagestour entlang der Donau kann man praktisch ohne jeden Höhenmeter ins Visier nehmen und die 49 Kilometer sogar auf dem „Walhalla-Dampfer“ noch verkürzen.

Wie wäre es mal elektrisch?
Wem das zu einfach ist, für den hätten wir noch einen weiteren Tipp. „Einmal Vorwald und zurück“ heißt die 32 Kilometer lange Rundtour, die ihren Ausgangspunkt in Brennberg nimmt. „Wadlbeißer statt Warmduscher sind hier gefragt“, leitet die Beschreibung ein. Die Strecke, die vorbei am Nepal-Tempel nach Wiesent, Dietersweg, Aumbach, Gfäll und über das Höllbachtal zurück nach Brennberg führt, weist einige kernige Anstiege auf. Gut, dass in Dietersweg und Aumbach gemütliche Verschnaufpausen im Biergarten locken, denn die Tour hat es wirklich in sich.
Außer man greift zu erlaubten technischen Hilfsmitteln und schwingt sich auf ein E-Bike. Der unterstützende Elektromotor nimmt einem das Treten zwar nicht ganz ab, lässt aber jeden Anstieg mit Leichtigkeit hinter sich. Da die Räder in der Anschaffung noch relativ teuer sind, gibt es vielerorts Verleihstationen – in Regensburg unter anderem im Bikehouse am Bahnhof. Als größte E-Bike-Region Europas ist der Bayerische Wald bekannt. An rund 100 Verleihstationen stehen Fahrräder mit Elektromotor bereit. Über 1.500 Kilometer markierte Radwege führen durch urwüchsige Natur und lassen luftige Berghöhen locker erklimmen. Dort trifft man schon mal Prominenz auf zwei Rädern, wie Walter Röhrl und Markus Wasmeier. Ob nun sportlich mit dem Mountainbike, eine gemütliche Runde mit der Familie oder bequem auf einem E-Bike – herrliche Strecken gibt es rund um Regensburg ausreichend und für jeden Radl-Typ.
